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Unsere 24 KM Horror Wanderung auf dem Klostersteig

Melina und ich haben frei. Nachdem wir die letzten Tage nicht in der Natur verbracht haben, wird es Zeit für ein paar Kilometer zu Fuß. 

Auf der gestrigen Heimfahrt hatte Melina ein "Kloster Eberbach" -Schild gesehen. "Könnten wir ja mal hinlaufen" \

Also vormittags um halb 11, unpassend wie immer, Sachen zusammen gepackt. Nichts zu essen, eine Flasche Wasser, Jeansjacke. 

Zu diesem Zeitpunkt gehen wir fälschlicherweise von 13 Kilometern aus. 

Wir realisieren nach einem Kilometer, lesen es auf einem Schild, dass es 24 werden sollten. Gleichzeitig wird uns klar, dass es der 01. Mai ist. Dieser geliebte Sauf-Wandertag der Deutschen. Dieses Jahr kommen uns, COVID 19 sei Dank, nur vereinzelt Paare und Familien entgegen. 

Ich rufe meinen Vater an, dass wir später als erwartet abgeholt werden möchten. Dann gehen wir weiter. Folgen ab jetzt den Zeichen des Klostersteigs. 

Am Offermannweiher vorbei und weiter durch den Wald ist die erste Station Kloster Marienthal. Festinstallierte Lautsprecher für Freilicht Gottesdienste, Geschlossene Trink- und Fressbuden. Hier lässt die Liebe zu Gott und Jesus an schönen Tagen die Kasse klingeln. Nicht heute. Heute ist Corona. Ein paar "Pilger" haben sich trotzdem verirrt und beten. Wahrscheinlich dafür dass Gott dieses Virus zur Strecke bringt. 

Wir gehen weiter. Kommen im Regen nach Johannisberg. Durch das Ort, vorbei an teurer, neuer Einheitsarchitektur, hinauf zum Schloss. Die Parkplätze sind wie überall abgesperrt. Die Touristen werden trotzdem einen Platz für ihre deutschen Mittelklassewagen finden.

Durch die Weinberge richtung Schloss Vollrads. Ab hier beginnt es ungemütlich zu werden. Sonne und blauer Himmel begleiten unseren Weg in den schattigen Wald. Dort angekommen, wird es steiler, immer steiler, bis irgendwann unsere Körper anfangen nicht mehr wandern zu wollen. Klar ist, wir sind schlecht vorbereitet... aber dieser Weg will uns das auch spüren lassen. Unsere Muskeln verlangen Zucker oder zumindest Wasser und Mineralstoffe. Nichts davon bekommen sie und irgendwann ist Umkehren keine Option mehr.

Es geht höher und höher. Als wir die Straße zur Hallgartener Zange, mit 580m dem fast höchsten Punkt im Rheingau, kreuzen, scheint der Weg bergab zu gehen, nur um wenige Meter später den letzten Anstieg einzuleiten. An diesem Punkt sind wir nur noch frustriert, fragen uns welchen Sinn es macht einen Klostersteig über 580 m zu leiten, wenn sich doch dort oben überhaupt kein Kloster befindet?! 

Der Abstieg entschädigt nicht. Steil und steinig ist er nach über 20 Kilometern nur noch die letzte Hürde zum Ziel. 

Wir erreichen nach über 24 km die Bushaltestelle in Kloster Eberbach. Melinas Apple Watch zeigt 1950 Aktivitätskalorien. 

Falls ihr diesen Weg gehen möchtet, tut es nicht in dieser Richtung. Startet in Eberbach...das macht es vielleicht etwas angenehmer. 

 

Felix

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